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Forever Young

erstellt am 18 September 2014 durch Fabian Schmid

Er ist Ivecos Zugpferd bei den leichten Nutzfahrzeugen, trägt mehr als 50 Prozent zum Umsatz bei. Damit das so bleibt, kommt der Iveco Daily nach 1978 und 1999 nun in der dritten Generation auf den Markt. Er besticht durch eine schier unendliche Variantenvielfalt und seine kräftigen, sauberen und verbrauchsarmen Motoren. Wie die Fahreindrücke in Turin zeigen, dürfen sich „New Daily“-Eigner auf den rundum gelungenen Transporter freuen.

Wenige Fahrzeuge können auf eine derart lange und erfolgreiche Historie unter demselben Namen zurückblicken. Vielleicht haben die Iveco-Leute deshalb einen vergleichbar ruhmreichen Ort für die Präsentation des neuen Daily gewählt: den Königspalast „Reggia di Venaria Reale“ bei Turin, eine Residenz des Hauses Savoyen mit Prunksälen, weitläufigen Gärten und allem sonstigen Drum und Dran, wo die letzte italienische Monarchenfamilie bis 1946 schwelgte. Dort, in der (ungeweihten) Barockkirche, flimmerten auf der Grossleinwand bombastische Videos der weltweit anlaufenden Werbe-Kampagne. „Von Natur aus stark“ – mit diesen Worten soll der Daily ins beste Licht gerückt werden. Der Slogan nimmt Bezug auf die erfolgreiche Vergangenheit, wobei die spezielle Premieren-Lackierung „boreal metallic blau“, welche die Farben des Himmels und der Ozeane aufgreift, Stärke und Schönheit symbolisieren soll. Wahrlich, ansehnlich ist er geraten, der neue Daily! Seine Erscheinung betont die Horizontale, und mit der durchgängigen, zur Mitte hin abfallenden Linie zwischen Scheinwerfer und Frontgrill wollten die Designer augenscheinlich Energie und Bodenhaftung hervorheben. Wer sich ein noch genaueres Bild vom Neuling machen will, lädt sich am besten die App „New Daily“ aufs Smartphone (360 Grad Innen- und Aussensicht, Röntgenblick etc.).

 

Konsequent und benutzergerecht weiterentwickelt

Zuverlässigkeit, Effizienz und Vielseitigkeit; die guten Gene des Daily sollen selbstverständlich auch im neuen Modell weiterleben, weshalb Iveco kräftig investiert (500 Millionen Euro) und etwa 80 Prozent der Fahrzeugkomponenten neu konstruiert hat. Natürlich behält der Daily den Heckantrieb und die klassische Leiterrahmen-Bauweise aus hochfestem Stahl bei, denn sie bietet maximale Flexibilität für den Aufbau, macht das Fahrzeug leichter als mit Kastenrahmen und verhilft dem Transporter zu einem üppigen Gesamtgewicht von bis zu 7 Tonnen. Damit der italienische Longseller sicher und stabil auf der Strasse liegt, wurde die Vorderradaufhängung „Quad-Leaf“, eine Doppelquerlenker-Konstruktion mit einem Torsionsstab als Federelement, weiterentwickelt. Sie kommt bei allen Modellen bis 3,5 Tonnen serienmässig zum Einsatz, hält Bauraum und Gewicht in Grenzen und verkraftet gleichwohl eine Achslast von 1900 kg (plus 100 kg gegenüber Vorgängerversion). Zudem bietet sie ansehnliche 175 mm Bodenfreiheit (plus 45 mm) – ein gewichtiger Vorteil angesichts der verschlungenen Wege, die der Daily auf der ganzen Welt oftmals unter die Räder bekommt.

Auf der Fiat-eigenen Teststrecke in Balocco zeigt sich rasch, wie stabil das Fahrzeug auf der Strasse liegt, ganz gleich ob mit schwer beladener Pritsche oder voluminösem Kastenaufbau. Vom Fahrgefühl her glaubt man in einem handlichen Personenwagen zu sitzen, Kurvenradien durcheilt der agile Italiener erstaunlich schnell und ohne zu wanken, was nicht zuletzt an den verlängerten Radständen (3000 bis 4750 mm) und dem verkürzten hinteren Überhang liegt. Um 55 mm niedriger kommt die Ladekante daher, was nicht nur leichteres Be- und Entladen ermöglicht, sondern das Übersteuern bei Kurvenfahrt nochmals verringert. Der Fahrerarbeitsplatz überzeugt durch wertige Materialien, simple Bedienung, fünf geschlossene Staufächer, drei Getränkehalter und sonstige Ablagen (unter den Beifahrersitzen), ja das Cockpit macht richtig Lust, mit dem Daily auch lange Touren in Angriff zu nehmen.

 

Vierzylindermotoren mit ordentlichem Punch

Die Modellpalette umfasst Kastenwagen, Kastenwagen teilverglast, Fahrgestell mit Normal- und Doppelkabine und Minibus. Die Kastenwagen gibt es mit neun unterschiedlichen Ladevolumina von 7,3 bis 19,6 m3, die Fahrzeuglängen messen bis 7500 mm, die Laderaumlängen bis 5100 mm. Mit Gesamtgewichten bis 7 Tonnen und Nutzlasten bis 4,7 Tonnen trumpfen die Fahrgestell-Modelle auf. Den Vortrieb bewerkstelligen Vierzylindermotoren, wahlweise mit 2,3 oder 3,0 Liter Hubraum und in 9 Leistungsstufen (106 bis 205 PS / 270 bis 470 Nm). Die sauberen Aggregate sind in den Ausführungen Euro 5b+ mit AGR oder in Euro 6 mit AGR/SCR erhältlich, wobei sich das kompakte Abgasnachbehandlungssystem in Höhe des Fahrgestells befindet und damit den Laderaum nicht beeinträchtigt. Ohne Ladekompromisse können auch CNG-Behälter oder Batterien für künftige Elektro- oder Hybridmodelle angebracht werden. Geschaltet wird der Daily serienmässig per Hand (6 Gänge), daneben ist für alle Versionen auch das automatisierte Sechsganggetriebe „Agile“ lieferbar.

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Verbrauchsreduktion bis 14 Prozent

EcoPack, EcoSwitch, EcoSmart, EcoMac: Hinter diesen Begriffen verbirgt sich allerlei intelligente Technik, die den Dieseldurst zu zügeln hilft. So wird der Kompressorbetrieb je nach Bedarf der Klimaanlage optimiert, kinetische Energie durch die Lichtmaschine zurückgewonnen oder via Tastendruck ein verändertes Motor-Mapping mit reduziertem Drehmoment und begrenzter Höchstgeschwindigkeit aktiviert. Dadurch verspricht Iveco eine Verbrauchsreduktion von durchschnittlich 5,5 Prozent, im Innercity-Verkehr gar bis 14 Prozent. Auch die Aerodynamik trägt ihren Teil bei, indem der Luftwiderstandsbeiwert um 6 Prozent gesenkt wurde. Nicht unwichtig zu wissen: Bisherige Aufbauten lassen sich auf dem neuen Daily weiterverwenden, sodann bleiben die Listenpreise unverändert. „Mehr Inhalt zum selben Preis“, nennt Iveco sein erfreuliches Angebot wider den üblichen Zeitgeist.

Auf der Rückfahrt von Turin, noch ganz unter dem Eindruck des eben präsentierten neuen Daily, fällt einem erst recht auf, wie dieser in Italien (Mantova) und Spanien (Valladolid) gefertigte Kleinlaster die Landstrassen dominiert. In den verschiedensten Ausführungen kommt er des Weges, manchem sieht man sein langes Leben an – doch die Unverwüstlichen fahren und fahren, rackern und schleppen den lieben langen Tag. Mehr als 2,6 Millionen Stück wurden bislang in über 110 Ländern verkauft. Mit der jetzt lancierten dritten Generation dürfte noch mehr Schwung in die Absatzkurve kommen und die 3 Millionen-Grenze schon bald überschritten sein.

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Derselbe Name über drei Generationen: 1978, 1999 und 2014 erschienen jeweils neue Daily-Modelle.

 

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Stabil und agil: Neue Vorderradaufhängung „Quad-Leaf“ macht den Daily zum Kurvenräuber.


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