«Vollzugsgeile Schweiz» behindert den Wandel

erstellt am 15 März 2018 durch Theo Martin Lionel Schlessinger. Bild: zvgLionel Schlessinger. Bild: zvg

Wer die neuen Bedürfnisse am besten erkennt ist im Vorteil. Am Entrepreneur Forum Seeland in Lyss ging es um disruptive Technologien und Tipps für Führungskräfte.

Co-Gründerin Andrea B. Roch sieht momentan grosse Chancen für KMU weil diese agiler, schneller, mutiger und wendiger seien als die riesigen Firmenkonglomerate. Noch nie sei die Akzeptanz zum Wandel so gross gewesen wie heute. Erwartet würden dabei nicht fertige Lösungsansätze, sondern ein schrittweises Vortasten.

 

Neue Kundenbedürfnisse entdecken

 

Gesprächsleiter Urs Gredig charakterisierte die Unternehmertypen. Es gebe Regelgeber, Regelübernehmer und Regelbrecher. Von letzteren sei in Zeiten der Disruption immer häufiger die Rede. Sie waren denn auch die Hauptprotagonisten des Entrepreneur Forums Seeland.

 

Seit 70 Jahren gibt es Monopol-Farben in Fislisbach. Inhaber und CEO Lionel Schlessinger hat das Geschäftsmodell umgekrempelt, damit das Unternehmen weiterlebt. Lacke und Farben braucht es zwar immer, aber ohne Innovation würde die Firma rasch überholt. Es brauche Produktivitätsfortschritte um das Bevölkerungswachstum aufzufangen. Die Generation Z suche einen Sinn im Geschäftsleben. Unternehmer seien darauf angewiesen global handeln zu können, sagte Schlessinger mit Blick auf Trump, Brexit und die populistischen Parteien.

 

Zu viel Regulation

«Wie regulieren uns zu Tode in der Schweiz», redete sich Schlessinger in Rage. «Wir sind so etwas von vollzugsgeil, das ist wahnsinnig.» So werde Wohlstand umverteilt, was negative Signale ans Ausland sendet. Die Attraktivität des Standorts Schweiz nehme ab. Monopol verliere jedes Jahr fünf Kunden, die ihre Produktion einstellen.

 

Schlessinger hat die Firma bei schwindenden Märkten übernommen. Die Kostenreduktion kam irgendwann an Grenzen. Während den letzten sechs Jahren hat sich die Firma komplett neu erfunden. Monopol hat Märkte im Ausland erschlossen (Indien und Kenia). Der Schock kam 2012, als ihm seine Werbeagentur aufzeigte, dass die Mitarbeiter nicht mehr nachkommen und mitziehen – auch weil das heilige Feuer fehlte. Seither gibt es monatliche Treffen um die Werte zu verinnerlichen. Es ging dabei auch darum, vom kollektiven Klagen wegzukommen.

 

«Alte Säcke und alte Schachteln»

Auch das Personalwesen hat sich verändert. Sarah Hiltebrand und Viktor Calabrò berichteten, wie sie den Wandel realisiert haben. Rent a Rentner AG wurde 2009 von Hiltbrand und ihrem Vater gegründet. Die Online-Arbeitsvermittlungsplattform vermittelt «alte Säcke» und «alte Schachteln». Seit 2016 gibt es auch «Date a Rentner». Sie wolle unbedingt Kompetenzzentrum für alte Leute werden, da es in der Schweiz bald zwei Millionen Rentner geben wird, sagte Hiltbrand, die mittlerweile über 4000 Personen im Rentneralter vermitteln kann.

 

Calabrò stellte Coople AG vor, eine just-in-Time-Plattform für flexible Arbeit. Fachkräftemangel, Digitalisierung und andere Trends führen zu Ineffizienz. Es gibt grosse Schwankungen beim Personalbedarf. Die Veränderungen wirkten auch auf Arbeitnehmerseite. Fixe Arbeitsplätze müssten flexibel werden – aber auch diese Leute müssen ihre Altersvorsorge aufbauen können. Coople bietet Modell und Verwaltung dazu, ist also ein Marktplatz für flexible Arbeit.

 

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