Kritische Stimmen zur Digitalisierung

erstellt am 15 November 2017 durch Theo Martin Bild: zvg/swiss.image.ch/Andy Mettler/Europa Forum LuzernBild: zvg/swiss.image.ch/Andy Mettler/Europa Forum Luzern

Rolf Dörig, Verwaltungsratspräsident von Adecco und von Swiss Life, setzte am Europaforum in Luzern zu einem Plädoyer an für eine digitalisierte Wirtschaft, die sich an den Menschen orientiert.

«Ist das wirklich Grund genug, die Revolution auszurufen?», fragte Rolf Dörig am Europaforum in Luzern. Er plädiert für Gelassenheit und Augenmass. Natürlich müsse man sich Gedanken machen, was die Digitalisierung für alle Lebensbereiche bedeute. Die Wirtschaft sei aber seit den Neunziger Jahren durch das Internet herausfordert – ohne dass alles Bisherige weggespült worden wäre.

 

Eine soziale Herausforderung

Neue Technologien hätten stets ökonomisches Wachstum ermöglicht. Technologische Möglichkeiten und menschliche Aspekte müssten gesondert betrachtet werden. Digitalisierung sei keine rein technische Herausforderung, sondern eine soziale. Technologie bilde den Kern. Der Mensch sei aber ebenso entscheidend. Die Digitalisierung Berge das Risiko der Entsolidarisierung. Die Entwicklung führe auch zu Verlierern, was sozialpolitischen Zündstoff bedeute. Daraus könnte sich ein Teufelskreis entwickelt, der Innovation und Wachstum verhindert.

Die Jugendarbeitslosigkeit sei heute schon eine tickende Zeitbombe. So könne es zu einem breiten Widerstand gegen die Digitalisierung kommen. Entscheidungsträger müssten über den reinen technologischen Wandel hinausdenken.

 

Demographische Auswirkungen werden unterschätzt

Trotzdem müsse Arbeit neu gedacht werden. Kritiker befürchten, dass die neuen Technologien die Arbeiter versklaven, die Befürworter sehen das Gegenteil. Dörig glaubt, dass beides nicht ganz richtig ist. Die demographischen Auswirkungen würden immer noch unterschätzt. Immer mehr Menschen werden in wechselnden Arbeitsmodellen tätig sein. Flexibilität im Arbeitsmarkt müsse deshalb mit Mobilität und sozialer Absicherung verknüpft werden.

Das Berufsleben werde sich aufgrund der dazugewonnenen Jahre und der technischen Möglichkeiten grundlegend verändern. Davon müssten aber alle profitieren könnten. Sonst werde Regulierung den Arbeitsstandort schwächen.

 

Wandel soll sich an Bedürfnissen der Gesellschaft ausrichten

Besonders in Zeiten von Unsicherheit suchen die Menschen Orientierung und Werte. Die Wirtschaft stehe in der Pflicht. Junge Mitarbeiter erwarten immer häufiger, dass ihre Unternehmen offen sind. Technologische Möglichkeiten sollten nicht verklärt werden. Der Wandel habe sich an den Bedürfnissen der Gesellschaft auszurichten. Technologie stehe im Dienste der Menschen – nicht umgekehrt.

 

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