Überflüssige Arbeitsschritte streichen

erstellt am 01 November 2017 durch Theo Martin Bild: zvgBild: zvg

Agile KMU suchen das Gespräch mit dem Kunden und bleiben auch in der Krise ewige Tüftler. Martina Gerster und Ludwig Hasler stellten ihre Lebensanschauung am Schweizer KMU-Tag in St. Gallen vor.

Einmal im Jahr wird St. Gallen zum Treffpunkt der Schweizer KMU. Der Schweizer KMU-Tag stellt jeweils ein praxisbezogenes KMU-Thema in den Fokus, so dass die teilnehmenden KMU-Führungskräfte «handfeste Tipps» in den Alltag mitnehmen können. Dieses Jahr lag der Fokus auf der «Zuversicht im Wandel».

 

Beispiel Martina Gerster: Sie sprach über Zuversicht in einem stahlharten Geschäft. Ihre Firma Gerster AG in Egerkingen härtet Stahl. Diese wärmebehandelten Teile findet man beispielsweise in de Klinge des Sparschälers, als Konsumgüter, in der Medizin und der Luftfahrt. Gemäss Gerster gab es Wandel schon immer, allerdings hat das Tempo zugenommen. 3D-Druck, die Digitalisierung und das autonome Fahren beschäftigen die Firmenleiterin momentan.

 

Tüftler bleiben

Bereits heute werden Grossserien und Teile mit weniger Komplexität ins Ausland verlagert. Gerster Lösung ist, gemeinsam mit den Kunden Lösungen zur Kostenoptimierung zu finden. Immer wieder erstaunlich sei, wie überflüssige Arbeitsschritte gestrichen werden könnten. Gerade in schwierigen Zeiten sei es auch wichtig, die Investition aufrecht zu erhalten. Allerdings nehmen Überwachungssystem- und Kontrolltätigkeiten zu. Individuelle Sonderlösungen seien möglichst zu vermeiden. Dabei soll aber die Freude am Tüfteln erhalten bleiben - denn nur so geht die Entwicklung weiter. Gersters Führungscredo heisst Wertschätzung.

 

Woraus zieht sie ihre Zuversicht? Ihr Unternehmen sei wach und erkenne Trends, springe aber nicht auf jeden Hype auf, so Gerster.

 

Am Anfang steht die Schnapsidee

Philosoph Ludwig Hasler erinnerte, dass jede gelungene Idee mit einer Schnapsidee beginnt. Zuversicht könne man nur zu sich selber haben, sie müsse also analog funktionieren. Hasler sprach dann ein Lob auf den Holzweg aus. Denn hätte Kolumbus ein halbwegs schlaues Navi gehabt hätte, wäre er wo möglich in Indien gelandet statt in Amerika. Auch für Zukunft gebe es kein GPS. Hasler: «Wollen wir nur immer die Fortsetzung unserer Datensätze sein und Amerika nicht entdecken?»

 

Zuversicht im Wandel setze voraus, dass man sich selber verwandle. Der Mensch müsse etwas zu tun haben. Ein reizloses Umfeld führt nicht weiter. Die Arbeitsteilung zwischen Digital und Analog führe dazu, dass der Mensch mehr Zeit fürs Denken habe, also für spezifisch menschliche Tätigkeiten. Wir seien die kreativen Designer dieser Welt und überlassen die Ausführung künftig der Maschine, so Hasler.

 

Ohne Willen geht es nicht

Überflügelt die künstliche Intelligenz nun die Menschen? Statt zu erschrecken kann man laut Hasler auch sehen, dass das menschliche Hirn ein Wunder ist. KI ist nicht zu vergleichen mit neugierigen Kindern. Wer in klassischen Handwerksberufen das Digitale längst integriert hat wisse, dass das Kreative nie aus dem Wissen kommt. Es beginnt mit dem Willen. Thomas Edison ging nur drei Wochen in die Schule, entwickelte aber die Glühbirne  – laut Hasler, weil er die Dunkelheit satt hatte und Licht wollte…

 

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