Agilität ist wichtiger als Effizienz

erstellt am 31 Oktober 2017 durch Theo Martin Urs Fueglistaller (links) übergibt das Kommando Tobias Wolf. Bild: zvg/Schweizer KMU-Tag/Roger SieberUrs Fueglistaller (links) übergibt das Kommando Tobias Wolf. Bild: zvg/Schweizer KMU-Tag/Roger Sieber

Natürlich ändert sich immer alles – am Schweizer KMU-Tag in St. Gallen ging es deshalb um die Zuversicht im Wandel, wie Organisator Prof. Urs Fueglistaller darlegte. Denn mit dem ersten Schritt löse man den Wandel aus.

Der Mensch hasse zwar die Veränderung, sei aber für den Fortschritt, sagte Fueglistallers Nachfolger Tobias Wolf. Was sind die Erfolgsfaktoren in Veränderungsprozessen? Wie die KMU-Tag-Studie ergab, ist die Mitarbeitereinbindung das wichtigste Element.

 

Die Formel für den Wandel

Ein Unternehmen ist bereit für den Wandel, wenn Dringlichkeit gegeben ist, wenn eine Vision besteht und wenn Kapazitäten für den Wandel vorhanden sind – und sofern tatsächlich erste Schritte in Angriff genommen werden. Das alles muss zusammen grösser sein als das wahrgenommene Risiko.

 

HSG-Professor Wolfgang Jenewein berät unter anderem die deutsche Fussball-Nationalmannschaft. Er fragte: Ist die Art und Weise wie die letzten 20 Jahre erfolgreich geführt wurde heute noch richtig? Wir müssten uns überlegen, wie wir mit der Disruption umgehen. Denn wer erfolgreich ist, lehnt den Wandel oft ab (Paradoxon des Erfolges). Man solle da reinschauen, wo es weh tut, empfahl Jenewein. Der beste Tipp sei effektiv, Mitarbeiter einzubinden, um dem digitalen Tornado zu begegnen. Die Kultur auf Flexibilität und Agilität zu durchleuchten sei eine wichtige Voraussetzung.

 

Wer sich anpasst überlebt

Viele machen sachlogische Anpassungen wie Reorganisieren und neue Maschinen kaufen. Erfolgreiche Transformationen behandeln aber auch die psychologische Ebene. Denn die Frage ist, wie sich eine Firma fit macht, da die Stimmung oft besser ist als die Lage. In der Natur überlebt nicht der Stärkste und der Intelligenteste, sondern derjenige, der sich am ehesten dem Wandel anpassen kann. Agilität und Anpassungsfähigkeit ist auf lange Frist wichtiger als Effizienz. Wer verharrt fällt zurück.

 

Die Kunst heisse «sowohl als auch». Denn Leader arbeiten auch mit Menschen und Gefühlen, nicht nur mit Daten und Fakten. Leadership ist eine Frage der Haltung. Es gibt den Hängemattenstil (keine Ziele), den Puppenspieler (Motivation Outsider, Führung über Strukturen und Regeln) und den Expeditionsleiter (Motivation inside). Jenewein: Sie müssen den Menschen Flügel verleihen!

 

Wissen, was es in welcher Phase braucht

Gabriela Manser führt seit 20 Jahren die Mineralquelle Goba. Sie hat als Kindergärtnerin das Familienunternehmen übernommen. Unter Führung versteht sie auch zu wissen, was es in welcher Phase braucht. Als sie 40 Mitaktionäre aufgenommen hat, gab es erneut einen Wandel. Diese Liebhaberaktien haben einen grossen Ausbauschritt ermöglicht.

 

Goba ist bekannt für fantasievolle Produkteinnovationen. Falls die neuen Produkte scheitern, müsse vorwärts geschaut werden. Mit dem Showroom Flauderei wurde in Appenzell eine Oase geschaffen, der die Marke erlebbar macht. Für die Entwicklung holt Manser auch externe Fachleute.

 

Sich immer wieder hinterfragen

Jenewein sagte dazu, dass Führung auch bedeute, sich immer zu hinterfragen. Er propagiert die Schwarmintelligenz, um das Wissen abzurufen. Manser ist egal, ob das am Kaffeeautomaten oder an der offiziellen Sitzung passiert. Sie kritisierte auch die KV-Ausbildung, in der viel zu wenig Multimedia-Ausbildung geboten werde. Jenewein ergänzte, dass heutige Studenten weniger zuhören, sondern vieles selber entdecken wollen. Manser ist es wichtig, im Gespräch zu sein – Social Media will sie deshalb nicht selber bedienen, sondern die Mitarbeiter selber machen lassen.

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