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Freiwillig vorsorgen ist flexibler und nachhaltiger

Wenn eine KMU die ausserobligatorische Kadervorsorge entsprechend organisiert, kann die Vermögensverwaltung durch einen unabhängigen Vermögensverwalter ausgeübt werden. Flexiblere Anlagemöglichkeiten, höhere Renditen und die bessere Nutzung der Steuervorteile des BVG sind die Folge.

Autor: Paul Vogler

Der Arbeitgeber kann die Kadervorsorge völlig unabhängig vom BVG-Obligatorium bei einem eigenen Vorsorgewerk, zum Beispiel einer Sammelstiftung, einrichten. Wenn das Vorsorgereglement vorsieht, dass der Kassavorstand die Vermögensverwaltung eigenverantwortlich organisiert, kann der Unternehmer für die Bewirtschaftung des ausserobligatorischen Kadervermögens einen unabhängigen Vermögensverwalter beiziehen und damit direkten Einfluss auf das Vorsorgevermögen nehmen. Die Verwaltung von Vorsorgevermögen ist gesetzlich im BVV2 geregelt. Dieses lässt zu, dass bis 50% des Vorsorgevermögens in Schweizer Aktien angelegt werden. Ebenfalls bis 50% des Vorsorgevermögens können in Grundpfandtiteln gehalten werden, sofern diese innerhalb von 80% des Verkehrswertes der beteiligten Liegenschaft liegen. Anlagen in Schweizer Obligationen sind bis 100% möglich.

Kadervorsorge nach Mass

Damit eröffnet eine Kadervorsorge Anlagemöglichkeiten, bei denen auf der einen Seite die Rendite langfristig deutlich über dem gesetzlichen Mindestzins liegt. Auf der anderen Seite ergeben sich mit unbelasteten Grundpfandtiteln steuerbegünstigte Einlagemöglichkeiten, ohne dass flüssige Mittel in Anspruch genommen werden müssen. Die Liquidität bleibt dadurch in der Unternehmung und steht für Investitionen und Markterweiterungen zur Verfügung. Das Anlagerisiko geht in solchen Fällen vom Vorsorgewerk auf das angeschlossene Unternehmen über. Für die Aktien- und Obligationenanlagen lohnt sich der Aufbau von Sicherheitsdispositiven. Diese sollen verhindern, dass das Vorsorgevermögen bei sinkenden Kursen übermässigen Risiken ausgesetzt ist.

Höhere Sicherheit bei Aktienanlagen

Aktienkurse schwanken. Spätestens seit dem Grounding der Swissair wissen wir, dass selbst Aktien von vermeintlich renommierten Gesellschaften wertlos werden können. Dieser Kurszerfall geschieht aber nicht von einem Tag auf den anderen. Es ist darum entscheidend, den Markt zu beobachten, um zu wissen, wann Aktien gehalten werden dürfen und wann das Geld auf dem Konto im sicheren Hafen angelegt sein muss.

Erfahrene Vermögensverwalter haben dafür entsprechende Szenarien entwickelt. Die Hilfsmittel der technischen Wertschriftenanalyse sind zwar wissenschaftlich umstritten, bieten aber gute Entscheidungsgrundlagen. Mit graphischen Aufzeichnungen und mit Berechnungen wird bei der technischen Wertschriftenanalyse ermittelt, ob sich die Kurse eines ganzen Marktes oder einzelner Aktien in einem steigenden Trend (hausse) oder in einem sinkenden Trend (baisse) befinden.

Für einen unkomplizierten rechnerischen Vergleich der Kurse eignet sich der einfache gleitende Durchschnitt. Bei dieser Betrachtung wird der Tageskurs einer Aktie oder eines Indexes laufend mit dem gleitenden Durchschnitt der Kurse für einen bestimmten Zeitraum verglichen. Tageshändler verwenden dafür die Kursentwicklung von wenigen Minuten bis Stunden. Für langfristig ausgerichtete Anlagen wie bei der Kadervorsorge wird mit Vorteil ein längerer Zeitabschnitt gewählt.

Wann ein- und aussteigen?

Auf der folgenden Graphik wird der Tageskurs des SMI mit dem gleitenden Durchschnitt der letzten 180 Börsentage verglichen. Wenn der Tageskurs des SMI (blaue Kurve) höher ist als der gleitende Durchschnitt (rote Kurve), dürfen sich grundsätzlich die im Index vertretenen Aktien im Depot befinden.

Wenn der Kurs des SMI tiefer ist als der gleitende Durchschnitt, ist der Anleger besser beraten, wenn er die Aktien verkauft und sein Vermögen solange auf dem Konto anlegt, bis sich der Markt wieder erholt hat und die Aktienkurse erneut steigen. Auf die Kursgraphik bezogen heisst das, wenn der Tageskurs von unten über den gleitenden Durchschnitt steigt, also während der grau hinterlegten Phasen, gehören die Aktien ins Depot, wenn der Tageskurs von oben unter den gleitenden Durchschnitt fällt, also während der orange hinterlegten Phasen, müssen die Aktien verkauft werden und der Gegenwert gehört aufs sichere Konto.

Vorteile kleiner Gesellschaften

Grosse Gesellschaften mit ihren marktbeherrschenden Stellungen sind etabliert und verspüren nicht den gleichen Drang nach Veränderung wie kleine und mittlere Unternehmungen (KMU). Langfristig die besseren Aktienanlagen sind Beteiligungen an kleinen und mittleren Gesellschaften. Das wirtschaftliche Umfeld befindet sich in einem steten Wandel. Je flexibler eine Unternehmung ist, desto schneller kann sie sich an die neue Situation anpassen. Kleine und mittlere Unternehmen reagieren erfahrungsgemäss schneller als grosse.

Zudem befindet sich ein bedeutender Teil des Aktienkapitals bei vielen kleinen und mittleren Gesellschaften im Familienbesitz. Das Familienvermögen ist somit direkt vom unternehmerischen Erfolg betroffen. Hauptaktionariat und Management sind in solchen Fällen häufig identisch und die Eigentümer üben einen direkten Einfluss auf die Führung der Unternehmungen aus. Das trägt zu einem sorgfältigeren Umgang mit den vorhandenen Mitteln und zu einer grösseren Konstanz bei. Die Eigentümer von kleinen und mittleren Unternehmen reinvestieren einen grösseren Teil des Gewinnes in der Gesellschaft. Das stärkt den Aktienkurs gegenüber Gesellschaften mit hohen Dividendenabgaben oder einer umfangreichen Bonuspolitik.

Vorsicht bei Obligationen

Wenn die Zinsen steigen, sinken die Obligationenkurse. Vorsorgewerke müssen die Obligationen zum Kurswert per Bilanzstichtag bewerten. Kursverluste wirken sich auf die Deckung der Kader-Pensionskasse aus. Darum ist bei Obligationen in Zeiten mit tiefer Verzinsung Vorsicht geboten.

Die Zinsen sind aktuell sehr tief, darum stehen in absehbarer Zeit starke Zinserhöhungen bevor. Für eine Kadervorsorge, welche die Möglichkeiten von Aktien- und Grundpfandanlagen ausnutzt, empfiehlt es sich daher für den festverzinslichen Teil der Anlagen, auf hochverzinsliche, schwankungsanfällige Obligationen zu verzichten.

Bis sich die Zinsen auf einer akzeptablen Höhe etablieren werden, ist eine Anlagestrategie auf Verfall mit Kassaobligationen zwar nicht spektakulär, dafür bietet sie absolute Sicherheit. Wenn die Zinsen wieder eine interessante Höhe erreichen, werden die ablaufenden Kassaobligationen jeweils durch dannzumal besser verzinsliche Staatsanleihen oder Obligationen von erstklassigen Industrieschuldnern abgelöst.

Mitarbeiterbindung – enorm wichtig

Eine gute Kadervorsorge bietet bessere Möglichkeiten der Vermögensverwaltung. Damit wird der Aufbau des Ruhestandsvermögens für den Kadermitarbeiter sicherer. Mehr Sicherheit steigert die gute Beziehung zum Arbeitgeber. Dieser profitiert von nachhaltigem Kader-Know-how in seinem Betrieb und von Stabilität und wachsendem Vertrauen seiner Kunden. All dies ist in unsern hektischen Zeiten der globalen Veränderung Gold wert.

Autorenangaben
Paul Vogler ist vollhaftender Inhaber der Einzelfirma Swiss Value Asset Management Paul Vogler, einer unabhängigen Vermögensverwaltung im luzernischen Hildisrieden. Er hat ein eigenes Aktienbewirtschaftungssystem für Schweizer Aktien entwickelt und setzt dieses erfolgreich für seine Kunden ein. Er betreut Privatkunden, institutionelle Anleger und ist Anlageberater des SVA-Swiss-Value, einem Anlagefonds für Schweizer Aktien. Im Rahmen der Vermögensplanung entwickelt er für Einzelfirmen und KMU interessante Vorsorgelösungen bei der überobligatorischen Kadervorsorge. www.swiss-value.ch Swiss Value Asset Management Paul Vogler ist Mitglied des interdisziplinären Beraterverbundes Swissconsultants mit 29 Partnerunternehmen und mehr als 350 Beraterinnen und Beratern. www.swissconsultants.ch
 
 
 
 
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